Was ist das HTLV-1-Virus und warum ist es so gefährlich?
Das HTLV-1-Virus (vollständiger Name: Humanes T-lymphotropes Virus Typ 1) ist ein Retrovirus, das das Immunsystem angreift. Es ist mit HIV verwandt, aber weit weniger bekannt. Dennoch gilt es als eines der gefährlichsten Viren der Welt, da es schwere, langfristige Erkrankungen verursachen kann.
Wie HIV heftet sich HTLV-1 an die DNA menschlicher Zellen, insbesondere an T-Lymphozyten (für das Immunsystem wichtige weiße Blutkörperchen). HTLV-1 wird durch Blut (Bluttransfusionen, Nadeln), sexuellen Kontakt und durch Stillen von der Mutter auf das Kind übertragen.
Obwohl sich viele Menschen infizieren, ohne sofort Symptome zu entwickeln, kann das Virus schwere und tödliche Erkrankungen wie Leukämie und Lähmungen verursachen.
Die adulte T-Zell-Leukämie/das adulte T-Zell-Lymphom (ATL) ist eine aggressive und seltene Form von Blutkrebs, die sich in der Regel Jahrzehnte nach der Infektion entwickelt. HAM/TSP (HTLV-1-assoziierte Myelopathie/tropische spastische Paraparese) ist eine fortschreitende, lähmende Rückenmarkserkrankung, die Muskelschwäche, Steifheit und Inkontinenz verursacht.
Das Virus ist in bestimmten Regionen weit verbreitet, beispielsweise in Japan (insbesondere im Süden), Afrika südlich der Sahara, Südamerika und Zentralaustralien (unter einigen Aborigines). In nicht-endemischen Gebieten ist es weniger bekannt, sodass Diagnosen häufig übersehen werden.
Quelle: https://www.frontiersin.org/journals/microbiology/articles/10.3389/fmicb.2012.00388/full
Autor: Prof. Dr. Dirk Devroey - Neuestes Update: 2025-08-04 - Urheberrechte: Clinifacts 2026
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